Flugangst beim Start und bei der Landung — warum gerade dann?
Warum dein Körper hier am lautesten reagiert
Im Reiseflug ist alles gleichmäßig — dein Gleichgewichtssinn hat wenig zu melden. Beim Start und in der Landung ändern sich Beschleunigung, Neigung und Geräuschkulisse im Minutentakt. Dein Innenohr registriert jede dieser Änderungen und dein Alarmsystem fragt bei jeder einzelnen: „Ist das normal?" Kennst du die Antwort, entsteht Erfahrung. Fehlt sie dir, entsteht Angst. Deshalb gehen wir jetzt durch, was wann kommt.
Das „Absacken“ nach dem Start ist der meistmissverstandene Moment der Luftfahrt — und zu 100 Prozent Routine.
Start und Landung auf einen Blick
| Phase | Was du spürst/hörst | Was es ist |
|---|---|---|
| Anrollen | Startschub, Druck in den Sitz | Volle Triebwerksleistung für den Start |
| Abheben | Rumpeln endet schlagartig | Räder verlassen den Boden — ihr fliegt |
| Steigflug | Nase zeigt deutlich nach oben | Gewollt: zügig Höhe gewinnen |
| Kurz danach | Wummern | Fahrwerk fährt ein |
| Nach 2-3 Minuten | „Durchsacken", Motor leiser | Geplante Schubrücknahme — Steigen geht flacher weiter |
| Sinkflug | Druck auf den Ohren | Normal, hilft: Schlucken oder Gähnen |
| Anflug | Surren, dann Wummern + Ruck | Landeklappen fahren aus, Fahrwerk rastet ein |
| Aufsetzen | Fester Bums | Absicht — sofortiger Radgriff, besonders bei Nässe |
| Nach dem Aufsetzen | Lautes Aufbrausen | Schubumkehr bremst das Flugzeug |
Der Start, Phase für Phase
Anrollen und Startschub: Wir richten das Flugzeug auf der Bahn aus, dann kommt der volle Schub — du wirst spürbar in den Sitz gedrückt. Das Rumpeln sind die Fugen der Startbahn, es wird schneller, dann schlagartig ruhig: Ihr fliegt. Steigflug: Die Nase zeigt deutlich nach oben — das ist gewollt, wir wollen zügig Höhe gewinnen. Kurz darauf ein Wummern: das Fahrwerk fährt ein. Die Schubrücknahme: Nach wenigen Minuten nehmen wir planmäßig Schub zurück (Lärmschutz, Steigprofil). Viele erleben das als „Absacken" — tatsächlich steigen wir weiter, nur flacher. Es ist der meistmissverstandene Moment der Luftfahrt und zu 100 Prozent Routine. Die Geräusche dazu erklärt Katja im Detail hier.
Die Landung, Phase für Phase
Sinkflug: Wir reduzieren die Höhe über viele Minuten, oft in Stufen — jede Stufe ist mit der Flugsicherung abgestimmt. Druck auf den Ohren ist normal (Schlucken oder Gähnen hilft). Anflug: Landeklappen fahren in mehreren Schritten aus (Surren), das Fahrwerk kommt mit einem deutlichen Ruck und Wummern — ab jetzt ist das Flugzeug bewusst „laut und langsam" konfiguriert. Aufsetzen: Ein fester Bums ist Absicht: Gerade bei Nässe setzen wir bewusst bestimmt auf, damit die Räder sofort greifen. Danach das laute Aufbrausen der Schubumkehr — das ist Bremsen, ganz normal. Falls wir durchstarten: Ein Go-Around ist ein trainiertes Standardmanöver — wir brechen die Landung ab, steigen, fliegen eine Schleife und landen in Ruhe. Das ist das Sicherheitssystem bei der Arbeit — Routine, genau wie jede andere Landung.
Warum manche Landungen schräg aussehen
Bei Seitenwind fliegt das Flugzeug im Anflug oft sichtbar schräg zur Landebahn — die Nase zeigt leicht seitlich, nicht geradeaus in Flugrichtung. Das nennt man den „Krebsgang" und ist ein ganz normales, trainiertes Verfahren: Wir richten das Flugzeug bewusst leicht gegen den Wind aus, damit es trotz Seitenwind exakt über der Mittellinie bleibt. Kurz vor dem Aufsetzen richten wir die Nase dann gerade — für Passagiere sieht das dramatischer aus, als es ist. Es ist exakt der Grund, warum Piloten für Seitenwind-Landungen extra zertifiziert und regelmäßig trainiert werden.
Was im Cockpit währenddessen passiert
Für uns sind Start und Landung hochstrukturierte Teamarbeit: Briefing vor jeder Phase (wir besprechen vorab, was wir tun — auch die Alternativen), Checklisten, klare Rollenteilung, und bei der Landung ist längst berechnet, wie viel Bahn wir brauchen. Nichts in diesen Minuten ist improvisiert. Persönlich gesagt: Start und Landung sind der Teil meines Berufs, den ich am gründlichsten geübt habe — im echten Flugzeug und mehrmals jährlich im Simulator, inklusive aller Szenarien, die real fast nie eintreten.
Für den nächsten Flug: dein 3-Punkte-Anker
Erstens: Setz dir die Reihenfolge ins Gedächtnis (Schub → ruhig = fliegen → Wummern = Fahrwerk → leiser = geplante Schubrücknahme). Zweitens: Nutze in den intensiven Minuten die verlängerte Ausatmung aus den Soforthilfen. Drittens: Realitäts-Check Crew — solange wir entspannt sind, ist alles im normalen Bereich. Wissen plus Werkzeug schlägt Grübeln.
Ehrliches Cockpit-Wissen, kein Therapie-Versprechen. Im Kurs gehen wir deinen ganzen Flug einmal komplett durch — bevor du ihn fliegst: Zum Angst-Typ-Test